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Klettersteig für Einsteiger: fünf Touren der Kategorie A und B
Fünf Klettersteige der Kategorien A und B führen Einsteiger ins gesicherte Gelände: mit Höhenmetern, Gehzeiten und Ausrüstungstipps für die Tourenplanung.

Schall-Skala und Hüsler-Skala: Was bedeuten Grad A und B?
Für die Einstufung von Klettersteigen haben sich zwei Systeme etabliert. Die Schall-Skala arbeitet mit Buchstaben von A bis F und ist vor allem in Österreich und Deutschland verbreitet. Die Hüsler-Skala bewertet verbal mit den Stufen K1 bis K6 und wird stärker in der Schweiz genutzt.
Bei Grad A bewegen Sie sich in flachem bis mäßig steilem Gelände. Drahtseile, kurze Leitern oder Trittstifte – in den Fels eingelassene Metallstifte als Tritthilfe – kommen gelegentlich vor, ausgesetzte Stellen lassen sich meist gut meistern. Geübte Berggeher kommen hier oft noch ohne Klettersteigset aus. Ab Grad B wird das Gelände steiler, die Absicherung gewinnt an Bedeutung: Längere Leitern, Steigbügel und Ketten kommen hinzu, vereinzelt auch kurze, kraftraubende Passagen. Bei Grad B lassen nur noch erfahrene Bergsteiger das Klettersteigset zuhause.
Für Wanderer mit Grunderfahrung bietet die SAC-Wanderskala eine zusätzliche Orientierung: Die Stufen T5 und T6 überschneiden sich mit einfachen Klettersteigen der Grade A bis B. Ab Grad C beginnt der klare Unterschied, dann sind technisches Gelände und Ausrüstungspflicht gegeben. Wichtig: Die Schwierigkeitsgrade gelten nur als grobe Richtlinie. Die Gesamtbewertung eines Klettersteigs richtet sich immer nach der schwersten Einzelstelle der Route, auch wenn der Großteil der Tour leichter ausfällt.
Gelände und Absicherung bei Grad A und B
Bei Grad A bewegen Sie sich in flachem bis mäßig steilem Gelände. Drahtseile, kurze Leitern oder Trittstifte sichern einzelne Passagen, ausgesetzte Stellen kommen vor, lassen sich aber meist gut meistern. Geübte Berggeher gehen solche Abschnitte gelegentlich noch ohne Klettersteigset, also ohne das System aus Bandfalldämpfer und zwei Verbindungsmitteln, das bei einem Sturz die Energie abbaut.
Ab Grad B wird das Gelände steiler, die Absicherung gewinnt an Bedeutung. Längere Leitern, Steigbügel und Ketten kommen hinzu, vereinzelt auch kurze, kraftraubende Passagen. Hier verzichten nur noch erfahrene Bergsteiger auf das Klettersteigset. Die Grenze zwischen „ohne Set vertretbar" und „Set erforderlich" kann fließend sein und hängt unter anderem von Erfahrung und der jeweiligen Stelle ab.
Pflichtausrüstung: Das Klettersteigset nach EN 958:2017
Die europäische Norm EN 958:2017 legt fest, welche Anforderungen ein Klettersteigset erfüllen muss. Sie deckt einen Körpergewichtsbereich von 40 bis 120 Kilogramm ab. Damit sind sowohl leichte Personen als auch schwerere Berggeher im Sturzfall abgesichert. Bei Körpergewichten unter etwa 60 Kilogramm steigen die Belastungen auf den Körper deutlich an, weshalb die Überarbeitung 2017 diese Gruppe gezielt stärker berücksichtigt hat.
Geprüft wird das Set im Normsturz aus 5 Metern Höhe, einmal mit 40 Kilogramm, einmal mit 120 Kilogramm Testmasse. Der dabei auftretende Fangstoß darf 3,5 Kilonewton beziehungsweise 6 Kilonewton nicht überschreiten. Der Bandfalldämpfer, der die Sturzenergie durch Aufreißen eines Gewebebandes abbaut, darf sich dabei maximal 2,2 Meter weit öffnen. Diese Bremslänge bestimmt, wie viel freier Raum unter der jeweiligen Stelle am Klettersteig vorhanden sein muss, damit ein Sturz nicht in den Boden oder auf eine Leiter führt. Das Gesamtsystem aus Karabinern, Bandschlingen und Dämpfer muss im Test zudem eine Festigkeit von mindestens 12 Kilonewton aufweisen, umgerechnet etwa 1,2 Tonnen.
Diese Werte zeigen auch die Grenzen der Ausrüstung: Die Normwerte begrenzen die Belastung im Sturzfall, ersetzen aber keine vorsichtige Routenwahl. Wer mit Bergschuhen und Steigeisen für weitere Touren plant, sollte das Set regelmäßig auf Verschleiß prüfen.

Helmwahl: Gewicht als Entscheidungskriterium
Beim Helm für den Klettersteig entscheidet vor allem das Gewicht über den Tragekomfort auf mehrstündigen Touren. Leichte Modelle beginnen bei 155 Gramm, Standardmodelle wiegen um die 250 Gramm, und robustere Ausführungen bringen etwa 350 Gramm und mehr auf die Waage. Der Unterschied macht sich besonders bei Routen wie dem Mittenwalder Höhenweg bemerkbar, wo Sie mit Zu- und Abstieg auf sieben Stunden Gesamtzeit kommen.
Leichtere Helme punkten über die Stunden, robustere Modelle bieten dafür oft mehr Schutzpolster und eine stabilere Außenschale. Welche Variante zu Ihnen passt, hängt von der geplanten Tour ab: Für eine kurze Einheit wie den Dr.-Julius-Mayr-Weg mit etwa 45 Minuten Gipfelzustieg kann das Mehrgewicht eines robusten Helms weniger ins Gewicht fallen als bei längeren Touren. Bei längeren Unternehmungen wie dem Panorama-Klettersteig Henne mit rund vier Stunden Gehzeit auf 788 Höhenmetern lohnt sich der Blick auf die leichteren Kategorien.

Rucksackvolumen und Grenzen der Ausrüstung
Für kurze Klettersteige reichen 15 bis 20 Liter Rucksackvolumen. Bei anspruchsvollen Tagestouren wie dem Mittenwalder Höhenweg oder dem Panorama-Klettersteig Henne planen Sie besser 25 bis 35 Liter ein. In diesem Volumen finden Helm, Klettersteigset und zusätzliche Verpflegung Platz, ohne dass der Rucksack beim Klettern stört.
Auch das beste Klettersteigset hat Grenzen. Die Norm EN 958:2017 deckt Körpergewichte zwischen 40 und 120 Kilogramm ab. Beim Normsturz aus 5 Metern Höhe darf der Fangstoß mit der 40-Kilogramm-Masse maximal 3,5 Kilonewton betragen, mit der 120-Kilogramm-Masse maximal 6 Kilonewton. Diese Werte zeigen: Bei einem Körpergewicht unter rund 60 Kilogramm steigt die Belastung im Sturzfall deutlich an. Die Normüberarbeitung von 2017 hat diesen Punkt gezielt berücksichtigt, Sie sollten ihn bei der Auswahl Ihres Sets trotzdem im Blick behalten.
Der Bandfalldämpfer im Klettersteigset darf eine Bremslänge von maximal 2,2 Metern aufweisen, das gesamte System muss im Test mindestens 12 Kilonewton Festigkeit erreichen, umgerechnet rund 1,2 Tonnen. Diese Zahlen klingen beruhigend hoch, ersetzen aber keine umsichtige Routenwahl. Grad A und B gelten zwar als einsteigerfreundlich, einzelne ausgesetzte Stellen bleiben dabei jedoch bestehen, und die Ausrüstung federt nur die Sturzenergie, die Entscheidung für oder gegen eine Passage treffen Sie weiterhin selbst.

Vier der fünf Routen sind im Schall-Grad A/B eingestuft, der Pinut-Klettersteig im Grad B. Alle fünf unterscheiden sich deutlich in Länge und Zeitaufwand. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Eckdaten zusammen, Details zu Zustieg und Linienführung finden Sie in den Einzelbeschreibungen.
| Tour | Schwierigkeitsgrad | Höhenmeter / Länge | Gehzeit |
|---|---|---|---|
| Ettaler Manndl | A/B | 760 Hm | 3–4 Std. (Halbtagestour) |
| Mittenwalder Höhenweg | A/B | 1.400 Hm (Abstieg) | 4 Std. Grat + 3 Std. Abstieg |
| Dr.-Julius-Mayr-Weg | A/B | k. A. | rund 45 Min. zum Gipfel |
| Panorama-Klettersteig Henne | A/B | 788 Hm, 9 km | rund 4 Std. |
| Pinut-Klettersteig | B | k. A. | ca. 2 Std. 20 Min. (Steigabschnitt) |
Der Mittenwalder Höhenweg ist mit sieben Stunden Gesamtzeit die anspruchsvollste Tour der Auswahl, der Dr.-Julius-Mayr-Weg mit rund 45 Minuten die kürzeste. Für die übrigen drei Touren sollten Sie zwischen drei und vier Stunden reine Gehzeit einplanen, Zu- und Abstieg nicht eingerechnet.
Ettaler Manndl: Halbtagestour in den Ammergauer Alpen
Der Klettersteig am Ettaler Manndl in den Ammergauer Alpen ist im Grad A/B eingestuft und damit für den ersten Versuch geeignet. Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Manndlweg auf 877 Metern, der Gipfel liegt auf 1.633 Metern. Daraus ergeben sich 760 Höhenmeter, die Sie in drei bis vier Stunden Gehzeit bewältigen – eine Halbtagestour, die sich auch bei kürzeren freien Tagen einplanen lässt.
Das Gelände entspricht den Graden A und B: flache bis mäßig steile Abschnitte wechseln sich mit kurzen, steileren Passagen ab, die mit Drahtseil gesichert sind. Ausgesetzte Stellen kommen vor, sind für geübte Berggeher aber gut zu meistern. Ein Klettersteigset nach EN 958:2017 gehört trotz des moderaten Schwierigkeitsgrads in den Rucksack, denn einzelne Stellen können auch für trittsichere Einsteiger ungewohnt steil wirken.
Mittenwalder Höhenweg: Lange Gratüberschreitung im Karwendel
Der Mittenwalder Höhenweg im Karwendel führt als ausgesetzte Gratwanderung über mehrere Klettersteigpassagen im Grad A/B. Anders als bei kurzen Einstiegstouren reihen sich hier mehrere Abschnitte hintereinander, die Konzentration über einen längeren Zeitraum verlangen. Für die Überschreitung selbst sollten Sie vier Stunden einplanen.
Nach der Gratwanderung folgt der Abstieg nach Mittenwald, der mit rund 1.400 Höhenmetern zu Buche schlägt und weitere drei Stunden in Anspruch nimmt. Insgesamt kommen Sie damit auf eine siebenstündige Tour, die konditionell deutlich über einer Halbtagestour liegt. Planen Sie entsprechend früh und prüfen Sie vorab, ob Kondition und Zeitfenster für die Gesamtlänge ausreichen.

Dr.-Julius-Mayr-Weg: Kurzer Einstieg auf den Brünnstein
Der Dr.-Julius-Mayr-Weg auf den Brünnsteingipfel in den Brandenberger Alpen ist im Grad A/B eingestuft. Vom Brünnsteinhaus aus erreichen Sie den Gipfel in etwa 45 Minuten. Damit zählt die Tour zu den kürzesten Klettersteigen für den ersten Versuch mit Set und Helm.
Die kurze Gehzeit macht den Weg zu einem guten Testfeld. Sie können hier prüfen, ob Helm und Klettersteigset richtig sitzen, bevor Sie sich an längere Routen im gleichen Schwierigkeitsgrad wagen.
Panorama-Klettersteig Henne: Längste Tour der Auswahl
Der Panorama-Klettersteig Henne in Tirol ist im Grad A/B eingestuft und bringt es auf 788 Höhenmeter bei 9 Kilometern Weglänge. Damit ist er die längste Tour in dieser Auswahl. Rechnen Sie mit rund vier Stunden Gehzeit.
Die reine Weglänge zeigt, dass nicht nur die Kletterpassagen zählen: Zu- und Abstieg machen einen großen Teil der vier Stunden aus. Planen Sie deshalb Pausen und Verpflegung ein, bevor die Kondition am Ende der Tour knapp wird.
Pinut-Klettersteig bei Flims: Kompakte Tour in der Schweiz
Der Pinut-Klettersteig oberhalb von Fidaz ist im Grad B eingestuft. Für den Klettersteig-Abschnitt selbst planen Sie rund zwei Stunden und 20 Minuten Gehzeit ein, deutlich weniger als bei den längeren Touren dieser Auswahl. Ab Grad B wird das Gelände steiler, die Absicherung mit längeren Leitern, Steigbügeln und Ketten gewinnt an Bedeutung, und vereinzelte Passagen verlangen etwas Kraft.
Die kompakte Länge macht den Pinut-Klettersteig zu einer guten Option, wenn die Zeit für eine mehrstündige Unternehmung fehlt. Bedenken Sie dabei die Grenzen der Ausrüstung: Ein Klettersteigset schützt nur innerhalb der Normwerte, bei Körpergewichten unter etwa 60 Kilogramm steigen die Belastungen im Sturzfall deutlich an. Ein passender Helm mit 250 bis 350 Gramm Gewicht gehört ebenso zur Grundausstattung wie ein Rucksack mit 15 bis 20 Litern Volumen, der für eine Tour dieser Länge ausreicht.
Norissteig im Hirschbachtal: Fränkische Alternative mit C-Einzelstelle
Der Norissteig im fränkischen Hirschbachtal liegt abseits der Alpen und eignet sich damit auch als Wochenend-Ziel ohne lange Anfahrt. Die Route verläuft überwiegend in den Graden A und B, enthält aber eine Einzelstelle im Grad C. Diese Stelle lässt sich umgehen, wer sie nicht klettern möchte, muss also nicht auf die gesamte Tour verzichten.
Je nach gewähltem Startpunkt dauert der Norissteig 3 bis 5:30 Stunden. Diese Spanne lohnt einen Blick in die Wegbeschreibung vor dem Start, da sich damit die Tour an die verfügbare Zeit und die eigene Kondition anpassen lässt. Für Einsteiger, die bereits erste A/B-Klettersteige hinter sich haben, bietet die C-Stelle einen vorsichtigen Ausblick auf höhere Schwierigkeitsgrade, ohne dass die Gesamttour dadurch anspruchsvoll wird.

Planung: Zeitfenster und Wetter
Für einen Klettersteig der Kategorie A/B mit 200 bis 300 Höhenmetern Kletterweg kalkulieren Sie zwei bis drei Stunden reine Kletterzeit. Rechnen Sie Zu- und Abstieg hinzu, ergibt sich eine Gesamtdauer von vier bis sechs Stunden. Diese Werte gelten für ein gleichmäßiges Tempo ohne lange Pausen und dienen als erste Orientierung bei der Tourenplanung.
Starten Sie früh am Morgen. In den Alpen steigt die Gewitterwahrscheinlichkeit am Nachmittag deutlich an, vor allem in den Sommermonaten. Wer gegen sieben oder acht Uhr am Einstieg steht, hat auch bei einer längeren Route genügend Zeitpuffer, um vor den ersten Quellwolken wieder im Tal zu sein. Planen Sie zusätzliche Zeit für Pausen und Gegenverkehr an schmalen Passagen ein, denn beliebte Einsteigertouren sind besonders an Wochenenden gut besucht.
Quellen
- Welche Rucksackgröße brauche ich? Empfehlungen nach Sportart und Tour
- Checkliste: Das gehört zur Klettersteigausrüstung
- Schwierigkeitsgrade am Klettersteig
- Schwierigkeitsskala Klettersteige
- Schwierigkeitsskala (Klettern)
- Schwierigkeitsgrade am Klettersteig richtig deuten - Alpinatours Reiseblog
- Wissenswertes zu Klettersteigen und die Klassifizierung der Schwierigkeitsgrade bei Klettersteigtouren
- Klettersteig-Skala (Schall / Hüsler)